
Vorwort
Potsdam war – das Stadtschloss.
Die ganze Stadt ist undenkbar ohne dieses Gebäude. Noch anderthalb Jahrzehnte nach der Bombardierung 1945 gab die imposante Ruine der Stadt Halt. Selbstverständlich sahen die ersten Pläne einen Wiederaufbau vor. 1959/60 wurde das Potsdamer Stadtschloss trotz internationaler Proteste auf Befehl des Politbüros gesprengt.
Der Verein Potsdamer Stadtschloss e.V . hat immer für einen originalgetreuen Wiederaufbau des bedeutendsten Profanbaus in Brandenburg geworben. Er stieß dabei in Potsdam zunächst auf entschiedene Ablehnung. Am 20.Mai 2005 beschloss der brandenburgische Landtag den Bau eines gemeinsamen Landtagsgebäudes für Berlin-Brandenburg an der Stelle des Potsdamer Stadtschlosses und machte die Auflage: in den „historischen Um- und Aufrissen“. Ein genauer originalgetreuer Wiederaufbau war und ist durch die Vorgaben der Politik nicht gewollt. Bei der Bevölkerung hatte jedoch im Vorfeld der Entscheidung über die Form des Parlaments ein Umdenken eingesetzt. Pro-Stadtschloss-Demonstrationen mobilisierten 2007 bis zu 2000 Bürger.
Im 3. September 2009 wurden die Verträge zwischen dem Land und der Royal BAM-Group unterzeichnet. Es handelt sich um ein Public-Private-Partnership Modell. Das Land mietet über 30 Jahre das Parlament an, das danach in Landeseigentum übergeht. Die Bau- Betriebs- und Finanzierungskosten werden über die Miete abgegolten. Der Bau wird nach Plänen des Architekten Peter Kulka, Köln/Dresden errichtet und soll 2012/13 bezugsfähig sein.
Durch den angemeldeten Raumbedarf werden die Hoffassaden im Süden um rund 15 Meter, im Osten und Westen um jeweils rund fünf Meter in den Hof hineingerückt. Deren Fassaden entsprechen ebenso wie die Dächer nicht mehr der variationsreichen historischen Form. Als einziger Innenraum wird das Treppenhaus an anderem Standort annähernd in den historischen Maßen modern gestaltet, in den dann die zahlreich vorhandenen Originalteile in ihrem kriegsversehrten Zustand einbezogen werden. Der Vorschlag des Vereins, beim Setzen der statisch notwendigen Wände wenigstens die Kubatur von einigen historischen Innenräumen, in denen europäische Geschichte geschrieben wurde, für die Zukunft mitzubedenken, wurde nicht zur Kenntnis genommen.
„Es ist nicht mehr das Stadtschloss Friedrichs des Großen, sondern ein moderner Landtag“ (Peter Kulka)
Die Finanzierung der Wiederherstellung des reichen Skulpturenschmucks auf der Attika wird vom Land nicht gewährleistet.
Verein Potsdamer Stadtschloss e.V.|Alter Markt 9|14467 Potsdam|Tel.: 0173 6286 391








